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Blutegel, die kleinen Heiler

Hirudotherapie/  Medizinische Blutegel- Therapie

Ich gebe zu, als ich die kleinen, wurmartigen Tiere zum ersten mal sah, ekelte ich mich vor ihnen. Sie schlängeln und sind wendige kleine Wesen. Je mehr ich nun aber mit ihnen zu tun habe, entdeckte ich auch ihre Schönheit. Sie üben auf mich eine Faszination aus. 

 

Wer den Egel genau betrachtet, wird ein Muster auf dem Körper des Egels sehen, das sich über den ganzen Körper zieht. 

Therapien mit dem Blut- Egel wurden in Indien, 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung angewendet. Im 18 Jahrhundert, gab es sogar eine Zeit, da war das Ansetzten der Egel ein Hype. Es war die Zeit des Vampirismus. Als Schönheitsideal galt, blass zu sein. So wurden unzählige Egel angesetzt, um eine Blutarmut hinzuzufügen, um den blassen Teint zu erhalten. Damals wurde der europäische Egel beinahe ausgerottet.

 

Heute werden die Egel für die Therapie aus der Zucht bezogen. In der Schweiz gibt es eine Zuchtstation in Will/ SG. 

In der Schulmedizin kommt der Egel in der plastischen Chirurgie zum Einsatz. In der Naturheilkunde hat der Egel ein grösseres Einsatzspektrum.

 

Wie heilen die Blutegel?

Wenn der Egel zugebissen hat, gibt er einen Speichel dem Körper des Wirtes ab. Im Speichel sind viele Wirkstoffe enthalten. Hirudin hat einen blutgerinnungshemmende und antithrombotische Wirkung. Damit wird sicher gestellt, dass das Blut fliest und nicht während des Saug- Aktes plötzlich gerinnt. Eglin ist entzündungshemmend, während das Histamin lokale Gefässkrämpfe löst. Der Blutverlust hat eine entstauende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung. Ähnlich wie ein Aderlass. Ausserdem werden mit dem Blutverlust Stoffwechselschlacken und Körpergifte ausgleitet und der Lymphstrom beschleunigt. Daher auch einen entgiftenden Effekt. 

Es sind längst nicht alle bioaktiven Stoffe im Speichel des Egels erforscht.  

 

 

Bei welchen Beschwerden ist es sinnvoll, Egel- Therapie durchzuführen?

Arthrose, insbesondere Knie- Arthrose. Hierzu gibt es Studien, die die Wirkung belegen.

Sportverletzungen, Zerrungen, Blutergüsse, Gelenkschmerzen

Krampfadern, Hämorrhoiden, Migräne, ... 

Ist der Biss schmerzhaft?

Der Biss fühlt sich an, als ob eine Injektion mit einer Nadel durchgeführt wird. Kurz und unangenehm. Danach beginnt der Egel seinen Speichel in das Gewebe abzugeben, was leicht brennen kann, als ob man mit Brennnessel  in Kontakt gekommen ist. Dies dauert ca. 5 Minuten. Danach ist kein Schmerz mehr wahrnehmbar.

Wenn der Blutegel gebissen hat, fällt er dann von alleine wieder ab?

Ja, sobald der Egel genug Blut aufgesogen hat, lässt sich der Egel fallen. Er fällt ab. Der Egel kann bis zu einem fünffachen seines Körpergewichts, an Blut aufnehmen.

Wie lange dauert es, bis ein Egel wieder abfällt?

In der Regel benötigen die Egel für den Saug- Akt 40 bis 90 Minuten. Je nach Körperstelle und je nach dem wie stark die Stelle durchblutet ist.

Wie viele Egeln werden auf einmal angesetzt?

Es werden immer mehrere Egel auf einmal angesetzt. Die Wirkung eines einzelnen Egels wäre zu wenig stark und würde keine Erfolg erbringen. Je nach Beschwerden und Ort, werden 3 - 4 Egeln angesetzt.

Reicht eine Sitzung, um meine Schmerzen zu lindern?

In der Regel benötigt es mehrere Sitzungen. Oft werden nach der ersten Sitzung kleine Veränderungen wahrgenommen. Z.b. Ist der Schmerz zwar noch da, aber er hat sich verändert. Wie viele Sitzungen dann tatsächlich gebraucht werden, muss im Verlauf und von Fall zu Fall entschieden werden.

Die volle Entfaltung der Wirkung kann sich bis 5 Wochen nach der Therapie noch entfalten.

Welche Nachteile/ Nebenwirkungen kann es für mich geben?

Ein gewollter Effekt ist, dass die Biss-stelle ein paar Stunden nachblutet. Es ist oft eine kleine Sickerblutung, die 12- 24 Std. nachbluten kann. Sobald der Egel abgefallen ist, wird ein Wundverband angelegt, um das Blut aufzufangen. In der Regel reicht der dick angelegte Verband aus. Nach 12 std. kann der Verband abgenommen werden.

 

- Juckreiz an der Biss-stelle. Es sollte auf keinen Fall gekratzt werden, um eine mögliche Infektion der Stellen zu vermeiden. Für juckende Biss-stellen wird ein Weihrauchgel mitgegeben, der den Juckreiz nehmen soll.

 

- Schwellung rund um die Biss- Stellen. Eine leichte Schwellung ist normal. Wer stark reagiert, kann ein Antiallergikum einnehmen. 

 

- Die Biss- Stellen sind je nach Hauttyp und Wundheilung noch lange sichtbar. Es können sich kleine Narben bilden. 

Wann darf die Blutegel- Therapie nicht durchgeführt werden?

  • Wenn Sie eine angeborene oder erworbene Blutgerinnungsstörung haben.
  • Sie eine bekannte Allergie gegen einen Bestandteil des Sekret haben.
  • Wenn sie Medikamente zur Immunsuppression einnehmen müssen, z.B. nach Organtransplantation,  bei Autoimmunkrankheiten.
  • Bei schlechter Wundheilung, z.B bei Diabetes mellitus.
  • Wenn Sie unter Blutmangel leiden.
  • Wenn sie regelmässig an die Dialyse müssen.
  • bei alten, geschwächte Personen und Kinder.

Was geschieht mit den Blutegel nach der Behandlung?

Infolge der Gefahr von einer Übertragung von Infektionskrankheiten, dürfen die Egel nur einmal benutzt werden. 

Da der gezüchtete Egel nicht der einheimischen Art entspricht (oft wird in der Zucht der Hirudo medizinalis oder orientalis benutzt) darf er auch nicht ausgesetzt werden.  So wird verhindert, dass er die einheimische Art verdrängen kann. Daher wird der Egel im Gefrierfach in eine Art Winterstarre gebracht,  er stirbt dabei und wird dann entsorgt.

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